Privaten Haushalten droht derzeit vermehrt der Blackout. Die Sperrsaison beginnt. Wenn nach Mahnungen die Stromrückstände nicht gezahlt werden, kann abgeklemmt werden. Auch im Winter. Besonders gefährlich scheint es für Haushalte in Nordrhein-Westfalen zu sein.
Damit herzlich Willkommen zur neuen Strom-Triologie im Caritas Schulden-Podcast. Heute erfährst Du, was passieren muss, bevor der Stromanbieter überhaupt abklemmen darf. In der kommenden Folge erkläre ich, wie es Dir trotz Schwierigkeiten gelingen kann, den Strom zu behalten. Zuletzt schauen wir auf die größten Fehler und wie künftige Stromsperren verhindert werden können.
Derzeit versenden die Stromanbieter tausendfach Mahnungen. Nachdem im Januar die Jahresendrechnungen verschickt wurden, bekommen alle, die Rückstände nicht gezahlt haben, jetzt erste freundliche Erinnerungen. Dann sind es nur wenige Schritte bis zur konkreten Sperrankündigung und zur Stromsperre, mit zusätzlichen Kosten. In den kommenden Wochen können wir daher mit ersten Sperren in diesem Jahr rechnen.
Aber zunächst ein paar Facts.
Für das vergangene Jahr gibt es noch keine Zahlen. Aber im Jahr 2024 ist knapp 250.000 Haushalten der Strom abgestellt worden. Das sind fast 20 % mehr, als im Jahr zuvor, also ein richtiger Sprung nach oben. Während in Bremen die Zahl der Sperren niedrig bleibt, werden in Nordrhein-Westfalen pro Einwohner die mit Abstand meisten Abklemmungen durchgeführt. Etwa 1/3 aller Stromsperren fallen auf dieses Bundesland. Warum es so große Unterschiede zwischen den Bundesländern gibt, kann ich mir nicht erklären. Bremen steht womöglich deshalb so gut da, weil es dort mit Zappenduster Bremen eine landesweite Initiative gegen Stromsperren gibt. Im Vergleich zur NRW gibt es in Mecklenburg-Vorpommern, also dem Heimatland dieses Podcast, eher weniger Stromsperren.
Solltest du Dir ernsthaft Sorgen machen, wird dir diese Folge helfen zu verstehen, wie der Ablauf ist.
Weil ein solcher Blackout ein so krasser Einschnitt ist, hat der Deutsche Bundestag im Energiewirtschaftsgesetz einen sehr klaren Ablauf festgelegt. Es soll ein wirksamer Schutz für die Haushalte sein. Der Stromanbieter kann also nicht einfach sperren, er muss sich an die gesetzlichen Regeln halten. Du sollst auf jeden Fall die Chance haben, zu reagieren.
Zunächst droht eine Sperre wirklich erst dann, wenn Deine Rückstände höher sind als die Summe von zwei Abschlägen. Sollst Du also monatlich 60 € Abschlag zahlen, darf erst gesperrt werden, wenn der Rückstand mehr als 120 € ausmacht, also zweimal 60 €. Unter 100 € Rückstand darf der Stromanbieter in keinem Fall sperren.
Eine Stromsperre muss zweimal angekündigt werden. Erst musst du vier Wochen vorher eine Ankündigung bekommen, dass der Strom abgeklemmt werden soll, wenn Du dich nicht kümmerst. Dann muss mindestens 8 Tage vorher mit einem Brief zweite Ankündigung kommen.
Das geht noch weiter. Der Stromanbieter muss Dir Möglichkeiten aufzeigen, wie du die Stromsperre vermeiden kannst. Von Deinem Grundversorger kannst auch verlangen, dass er Dir eine sogenannte Abwendungsvereinbarung anbietet. Das ist eine Vereinbarung, mit der du die Rückstände in angemessener Zeit und unter Beibehaltung der Stromlieferung in Raten tilgst.
Dabei solltest Du den Fehler von Nils, einem meiner Klienten nicht wiederholen. Nils hatte glücklich eine solche Vereinbarung getroffen und die Raten pünktlich gezahlt. Da hat er darauf geachtet. Wie sich aber herausgestellt hat, zahlte er nur diese Raten und nicht mehr seine monatlichen Abschläge. Ein großer Denkfehler. Natürlich müssen die Raten zusätzlich zu den normalen Abschlägen gezahlt werden.
Es kann sein, dass Du bei Deinem Stromanbieter noch andere Verträge hast, zum Beispiel einen Internetanschluss oder du bekommst auch Gas geliefert oder hast einen Wasseranschluss. Rückstände aus anderen Verträgen können nicht zu einem Stromsperre führen.
ABER: Manchmal bestehen bereits alte Stromschulden, zum Beispiel aus einer anderen Wohnung. Oder Du wurdest früher schon einmal von demselben Anbieter mit Strom beliefert. Diese alten Schulden können auch ein Grund für eine Stromsperre sein.
Hast Du keine Lösung gefunden, wird der Netzbetreiber deinen Anschluss sperren. Es entstehen zusätzliche Kosten. Wie hoch diese sind, ist gesetzlich nicht festgelegt. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, die Kosten genauer zu prüfen, wenn für das Abklemmen und Anklemmen jeweils mehr als 50 € verlangt werden.
Wenn Du Schwierigkeiten hast, Deinen Strom zu zahlen, ist dies für mich als Schuldnerberater immer ein Alarmsignal. Häufig ist dies nur die Spitze des Eisberges. Wenn Du also merkst, dass Du beim Strom strauchelst, empfehle ich Dir jetzt einen Kassensturz. Prüfe, was wirklich wichtig ist. Unser Motto ist: Miete und Strom zuerst. Und nutze dazu die Beratung Deiner Schuldnerberatung vor Ort.
Du hast keine Idee, wie du das Problem löst? Ich ermutige Dich, trotzdem nachzufragen, sowohl bei Deinem Stromanbieter als auch in der Schuldnerberatung. Und zwar jetzt. Häufig entwickeln sich die Ideen erst, wenn wir gemeinsam darüber nachdenken.
In der kommenden Folge spreche ich über Wege aus den Stromschulden, also wie Du vorgehen musst, um Deinen persönlichen Blackout zu vermeiden. Wenn Du jetzt schon Infos brauchst, findest Du unseren Stromschulden-Flyer auf der Homepage www.schulden-verstehen.de
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Die Links zu den Quellen der hier genannten Daten findest Du im Transkript dieser Folge auf unserer Homepage: www.caritas-im-norden.de/schuldenpodcast
Also, bis in zwei Wochen. Halte Dein Geld zusammen.
Ein Tipp zum Schluss. Lese Deinen Zählerstand ab und prüfe Deinen Stromverbrauch. Gelingt es Dir Deinen Verbrauch zu senken? Mache eine Challenge daraus: Zum Beispiel, wenn Du deinen Fernseher auslässt und eher über das Handy streamst. Wenn du Deinen Verbrauch senkst, kannst du mit Deinem Anbieter über eine Reduzierung des Abschlags sprechen. Du kannst auch prüfen, ob Dein Stromversorger Dir einen Vertrag anbietet, der günstiger ist und Du damit auch billiger wegkommst. Infos zum Stromsparen findest du bei den Caritas-Kollegen von www.stromspar-check.de