Wie einfach ist es, eine Auskunft zu bekommen? Was ist über mich gespeichert? Wer fragt nach mir? Meine Neugier war wieder unermesslich. Vier große Auskunfteien bekamen eine Anfrage von mir. Alle antworteten. Schnell, übrigens. Ich war schon überrascht, was die Auskunfteien so über mich wissen.
Willkommen zu der zweiten Folge über Auskunfteien. Du hörst den Caritas Schulden-Podcast. Ich bin Nicolas Mantseris, Schuldnerberater der Caritas in Neubrandenburg.
Was vermutest Du? Was speichern die Auskunfteien über Dich? Deine Social Media-Aktivitäten vielleicht? Oder familiäre und berufliche Informationen? All das findet sich in den vier Antworten über mich nicht. Obwohl ich ja auch im Netz öffentlich zu finden wäre.
Tatsächlich beschränken sich alle auf meine wirtschaftlichen Aktivitäten. Das ist auch deren Aufgabe. Sie prüfen aber im Übrigen auch, ob meine Adresse bekannt ist.
Ich habe nur nicht damit gerechnet, dass darüber hinaus, alle jeweils andere Informationen über mich haben. Nur Creditreform speichert im Moment über mich nichts.
Sehr überrascht war ich im Übrigen auch von den Schufa-Daten. Stell dir vor, sie speichern seit 1992 Informationen über mich, wie sie schreiben. Das ist schon eine halbe Ewigkeit. Das nächste älteste Datum ist die Eröffnung eines Girokontos vor 23 Jahren. Aber weder hat die Schufa alle Bank-Infos über mich, noch finden sich hier Klarna oder Paypal, obwohl beides ebenfalls Banken sind. Dafür aber ein Energielieferant, bei dem ich im vergangenen Jahr online für einen Wechsel angefragt habe.
Die Auskunftei Crif hat immerhin drei Anfragen gespeichert. Die sind von Firmen, bei denen ich Online bestellt habe. Die Frage war, ob ich kreditwürdig bin. Crif betreibt zusätzlich die Telco Information Platform, kurz TIP. Telefondienstleister lassen hier ausgewählte Angaben speichern. Ich habe gelesen, die Telekom, aber auch Anbieter wie Vodafone oder Freenet melden hier Daten ein. Und tatsächlich ist hier auch ein Vertrag von mir gespeichert.
Zuletzt hat sogar Infoscore Daten von mir. Das große Inkasso Riverty hieß früher Infoscore. Die Auskunftei dahinter gibt es offensichtlich noch unter diesem Namen. Die gehört inzwischen aber zu einem globalen Konzern namens Experian. Wie ich jetzt weiß, fragt hier zum Beispiel die Bahn nach, wenn ich Bahnfahrkarten kaufen will. Auch ein Online-Shop ist vermerkt.
Alle haben mir im Übrigen auch mitgeteilt, ob und mit welcher Bewertung sie mich für kreditwürdig halten.
Die fünf wichtigsten Erkenntnisse aus den Anfragen:
- Wenn Du viel online bestellst, werden alle Auskunfteien Infos über Dich haben.
- Aber niemand weiß alles. Kennst du die Geschichte von den Blinden und dem Elefanten? Ein Blinder greift an das Bein und sagt, ein Elefant ist wie eine Säule. Der Zweite betastet den Rüssel und behauptet, der Elefant sei wie eine Schlange und die dritte Blinde wiederrum landet beim Schwanz und vermutet den Elefanten als eine Art Besen. Irgendwie scheine ich für die Auskunfteien, wie dieser Elefant. Jede Auskunftei beschreibt mich anders. Keine hat ein volles Bild.
- Auch alle zusammen wissen nicht viel. Das finde ich eigentlich beruhigend. Da steht nicht, was ich vielleicht bestellt habe. Andere Bestellungen sind gar nicht vermerkt. Die Banken melden nicht alles ein.
- Würdest Du einen Kredit auf Dauer nicht bedienen, wüsste dies vielleicht die Schufa, nicht aber die anderen Auskunfteien. Andersherum bekommt offensichtlich nur Crif Informationen, wenn Du deinen Handyvertrag nicht bezahlst. Auch hier: Nicht alle wissen alles.
- Wärst Du allerdings im öffentlichen Schuldnerverzeichnis vermerkt, wüssten dies alle. Ein Eintrag im Schuldnerverzeichnis wäre für dich ein K.O.-Kriterium. Deine sogenannte Bonität wäre dahin.
Das ist dann ein hartes Negativ-Merkmal. Ein weiches Negativ-Markmal wäre ein nicht bezahlter Vertrag. Ein solcher Vertrag bleibt bei der jeweiligen Auskunftei gespeichert. Bis die Sache erledigt ist. Danach wird diese erledigte Angelegenheit nach drei Jahren gelöscht. Wir nehmen an, du hattest bei deiner Bank Zahlungsprobleme. Aber jetzt am 8. Juli 2026 hast du bezahlt. Die Bank meldet der Auskunftei, die Angelegenheit ist erledigt. Gelöscht wird drei Jahre später, also am 8. Juli 2029.
Das gilt auch, wenn du eine Vermögensauskunft abgegeben hast. Oder du bist zu dem Termin erst gar nicht hingegangen. Auch die Insolvenz wird gespeichert. Hier gibt es aber eine Besonderheit. Du hast die Restschuldbefreiung vom Gericht bekommen? Diese Angabe wird genau nach sechs Monaten gelöscht. So hat ein europäisches Gericht geurteilt.
Das sind die wichtigsten Löschfristen. Diese negativen Informationen haben Wirkung für die Einschätzung Deiner Zahlungsfähigkeit.
Gerade heute habe ich mit einer Klientin gesprochen. Der Vermieter lies sie nicht umziehen. Ihre Schufa-Auskunft war tief rot. Jetzt hat sie Hoffnung. Die Insolvenz ist rum. Die Daten werden nach sechs Monaten gelöscht. Ein Lichtschimmer für die junge Mutter.
Hast Du Erfahrung mit den Auskunfteien gemacht? Hast du dich geärgert? Schreib mir gerne Deine Erfahrung an podcast@caritas-im-norden.de
Willst Du selbst nachfragen? Im Transkript dieser Folge findest Du die Adressen der vier Auskunfteien, siehe unten. Schau unter www.schulden-verstehen.de. Wichtig: Die einmalige Auskunft ist kostenlos.
Soweit für heute. Der Caritas Schulden-Podcast geht in die Sommerpause. Wir melden uns im August wieder. Bis dahin. Halte Dein Geld zusammen.
Links zu den Selbstauskünften:
- Schufa
- Crif Bürgel
- Infoscore / Experian.
- Creditreform kann über das Kontaktformular angeschrieben werden.
Es gibt einen Zusammenschluss der Auskunfteien. Dort finden sich im Code of Conduct auch die Löschfristen .