Die Pflegekräfte in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg sichern die Versorgung älterer und kranker Menschen sowohl in den Städten als auch in den weiten ländlichen Räumen der Länder. Ein symbolisches Dankeschön zum Aktionstag greift jedoch zu kurz, wenn gleichzeitig in Berlin Gesetze vorbereitet werden, die die Arbeitsbedingungen vor Ort massiv verschlechtern könnten. Besonders kritisch bewertet die Caritas im Norden die Pläne, die jährlichen Vergütungsanstiege strikt an der Grundlohnrate zu orientieren und für die kommenden Jahre sogar zusätzliche Abschläge vorzunehmen. Matthias Timmermann, Diözesancaritasdirektor und Vorstand der Caritas im Norden, betont: "Diese geplante Abkehr von der dringend notwendigen Refinanzierung tatsächlich gezahlter Tariflöhne gefährdet die wirtschaftliche Basis ambulanter Einrichtungen im Nordosten massiv."
Da die Personalkosten in der ambulanten Pflege einen Anteil von rund 85-90 Prozent ausmachen, führt jede Deckelung der Refinanzierung unweigerlich zu wachsendem wirtschaftlichem Druck. Wenn Tarifabschlüsse oberhalb einer starren staatlichen Obergrenze liegen, müssten die Träger diese Differenz künftig selbst ausgleichen. Dies ist für gemeinnützige Anbieter nicht leistbar und würde in der Konsequenz zu einer weiteren Arbeitsverdichtung führen. Damit stünde nicht nur die Qualität der Versorgung auf dem Spiel, sondern auch die mühsam erreichte Attraktivität des Pflegeberufs.
Das Reformpaket sieht zudem weitere Einschnitte vor, die geeignet sind, das soziale Gefüge zu belasten. Die geplante Absenkung des Krankengeldes und die Einschränkung der beitragsfreien Familienmitversicherung treffen besonders Frauen und Menschen im rentennahen Alter, die neben ihrem Beruf oft noch Angehörige pflegen. Gleichzeitig sorgen höhere Zuzahlungen für Medikamente und Heilmittel für eine zusätzliche finanzielle Belastung von Geringverdienenden. Die Caritas im Norden betont hierzu, dass nachhaltige Einsparungen im Gesundheitssystem nicht durch Kürzungen bei den Schwächsten, sondern durch echte Strukturreformen und eine stärkere Förderung der Prävention erreicht werden müssen.
Wer am Tag der Pflegenden die Arbeit der Beschäftigten würdigt, muss auch die politische Verantwortung für faire Rahmenbedingungen übernehmen. Die Caritas im Norden fordert daher eine verlässliche und vollständige Gegenfinanzierung aller Tarifsteigerungen sowie den Verzicht auf Maßnahmen, die faktisch zu einem Personalabbau führen können. Nur durch eine gesicherte Finanzierung und spürbare Entlastung der Pflegekräfte kann die pflegerische Infrastruktur auch in Zukunft flächendeckend aufrechterhalten werden.