Die soziale Infrastruktur in Mecklenburg-Vorpommern steht unter massivem Druck. Angesichts angespannter Haushalte auf Landes- und Kommunalebene schließen bereits Angebote der sozialen Daseinsvorsorge. Die Spitzenverbände der LIGA warnen: Ohne eine stabile soziale Infrastruktur und eine transparente, nachhaltige Sozialplanung sind Teilhabe, Solidarität und sozialer Frieden langfristig nicht zu sichern.
"Wir können nicht länger zusehen, wie die soziale Infrastruktur unseres Landes Angebot um Angebot ausgehöhlt wird", erklärt Henrike Regenstein, Vorsitzende der LIGA MV. "Es geht um nicht weniger als die Frage, in welchem Mecklenburg-Vorpommern wir zukünftig leben wollen."
Grundlage der Diskussion mit den Parteienvertreter:innen war das Impulspapier der LIGA MV zur Zukunft der sozialen Infrastruktur. Im Mittelpunkt standen die Herausforderungen, vor denen Mecklenburg-Vorpommern in den kommenden Jahren steht sowie die Frage, welche politischen Weichenstellungen in der nächsten Legislaturperiode erforderlich sind, um soziale Teilhabe und eine verlässliche Daseinsvorsorge langfristig zu sichern.
Ein starker Sozialstaat sei kein Luxus, sondern die Grundlage für eine stabile und solidarische Gesellschaft. Die soziale Infrastruktur werde oft als reiner Kostenfaktor betrachtet - doch das sei ein Trugschluss. "Soziale Angebote sind auch wirtschaftliche Infrastruktur, genauso wie Straßen, Häfen oder Breitband", erklärt Regenstein. "Ohne Kitas gibt es keine Fachkräfte. Ohne Pflege können Angehörige nicht erwerbstätig sein. Und ohne soziale Einrichtungen leidet die Lebensqualität - besonders im ländlichen Raum."
Die Sozialwirtschaft ist daher ein bedeutender Wirtschaftsfaktor: Sie schaffe Arbeitsplätze, halte den Fachkräftemangel in anderen Wirtschaftszweigen im Zaum, vergebe Aufträge an regionale Unternehmen und stärke so den Standort M-V.
Eine Antwort auf die zahlreichen Herausforderungen liege auch in der Digitalisierung. Sie kann Wege verkürzen, Bürokratie abbauen und Mitarbeitende entlasten - etwa in der ambulanten Pflege, wo Fachkräftemangel und steigende Anforderungen beispielsweise an die Dokumentation den Alltag prägen. "Wir erwarten von sozialen Einrichtungen, dass sie digitaler, effizienter und innovativer werden. Das unterstützen wir ausdrücklich", sagt Henrike Regenstein. "Doch Digitalisierung gibt es nicht zum Nulltarif." Damit Innovation gelingt, braucht es eine verlässliche Finanzierung - für Technik, Schulungen und Infrastruktur sowie leistungsfähige digitale Netze - flächendeckend und zukunftssicher.
Die Verantwortung für soziale Angebote ist in M-V breit gestreut: zwischen Ministerien, Landes- und Kommunalebene sowie verschiedenen Kostenträgern. Diese Zersplitterung führt jedoch zu Zuständigkeitsdiskussionen und in der Folge zu Lücken in der Versorgung. "Wir brauchen eine verbindliche, landesweit abgestimmte Sozialplanung, die die tatsächlichen Bedarfe der Menschen erkennt und die begrenzten Ressourcen zielgerichtet einsetzt", betont Henrike Regenstein.
"Die soziale Infrastruktur ist das Rückgrat unseres Gemeinwesens. Ohne verlässliche Angebote der Pflege, Beratung, Betreuung und Unterstützung sind Teilhabe, Solidarität und sozialer Zusammenhalt langfristig nicht zu sichern", betonte sie. "Das wird nur mit allen Akteuren gemeinsam gehen."
Als Partner der Politik, von Land und Kommunen und Träger vielfältiger sozialer Angebote wollen die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege den Dialog mit der Politik fortsetzen und ihre fachliche Expertise aktiv in die Debatte um eine zukunftsfähige soziale Infrastruktur in Mecklenburg-Vorpommern einbringen.