Treffen Krakow Mai 26

Es gibt Begegnungen im Leben, die man nicht planen kann - und Freundschaften, die viel tiefer gehen als Worte. Seit 27 Jahren verbindet uns als Caritas im Erzbistum Hamburg eine enge Partnerschaft mit unseren Freundinnen und Freunden der Caritas Iwano-Frankiwsk. Für mich persönlich ist daraus längst etwas entstanden, das weit über eine Zusammenarbeit hinausgeht: ein Gefühl von Familie, von Vertrauen und von echter menschlicher Nähe - trotz aller Kilometer zwischen uns.
Gerade in diesen schweren Zeiten wird spürbar, wie wertvoll diese Verbindung ist. In der vergangenen Woche durfte ich gemeinsam mit unserem Diözesancaritasdirektor Matthias Timmermann und Vorstand Andreas Meindl nach Krakau reisen. Dort, auf halber Strecke zwischen Schwerin und Iwano-Frankiwsk, haben wir unsere ukrainischen Kolleginnen und Kollegen getroffen. Schon die ersten Umarmungen haben gezeigt: Wir begegnen uns nicht als Partner auf dem Papier, sondern als Menschen, die einander tragen und Kraft schenken.

Diese Tage in Krakau haben mich tief bewegt. In vielen persönlichen Gesprächen wurde deutlich, wie sehr der Krieg das Leben unserer Freundinnen und Freunde verändert hat. Wir haben von Verlusten gehört, von Angst, von schlaflosen Nächten und von der ständigen Sorge um die Zukunft. Und trotzdem habe ich etwas erlebt, das mich nicht mehr loslässt: eine unglaubliche Stärke, eine Wärme und einen Mut, die selbst in dunkelsten Momenten Hoffnung bewahren.
Besonders berührt hat mich, wie dankbar unsere Solidarität wahrgenommen wird. Oft sind es kleine Zeichen, die plötzlich eine große Wirkung entfalten - das Zuhören, das Dasein, das ehrliche Interesse am Schicksal des anderen. In solchen Momenten wird für mich spürbar, was Nächstenliebe wirklich bedeutet: füreinander einzustehen, sich gegenseitig Halt zu geben und gemeinsam weiterzugehen, auch wenn der Weg schwer ist.
Ich bin mit einem Herzen voller Dankbarkeit aus Krakau zurückgekehrt. Dankbarkeit für diese Freundschaft, für das Vertrauen und für die Hoffnung, die trotz allem lebendig bleibt. Denn genau das habe ich dort erlebt: Hoffnung ist stärker als Angst, Menschlichkeit stärker als Grenzen und Gemeinschaft stärker als jede Krise.

Unsere Freundinnen und Freunde in Iwano-Frankiwsk leisten Tag für Tag Beeindruckendes für die Menschen vor Ort. Und wir werden weiterhin fest an ihrer Seite stehen. Nicht nur heute, sondern auch morgen. Denn diese Partnerschaft lebt von etwas, das kein Krieg zerstören kann: dem festen Glauben daran, dass wir gemeinsam Zukunft gestalten können - mit Mut, Mitgefühl und Hoffnung.