Die Entscheidung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF), im laufenden Haushaltsjahr keine neuen Zulassungen für freiwillige Teilnehmende zu erteilen, bremst nicht nur freiwillige Integration - sie macht staatlich geförderte Integration faktisch unmöglich.
"Der Staat verlangt Sprachkompetenz, verhindert aber gleichzeitig ihren Erwerb. Integrationskurse sind Voraussetzung für Berufssprachkurse und Arbeitsmarktintegration - ohne Zugang zur Sprache entsteht ein Integrationsparadox", erklärt Jörg Spriewald für die Caritas in Hamburg.
Der Zulassungsstopp betrifft insbesondere Asylsuchende, Geduldete, Geflüchtete mit vorübergehendem Schutzstatus sowie Unionsbürger*innen, da sie für die Teilnahme eine Zulassung auf Antrag benötigen. In der Praxis bedeutet dies: vorhandene Kursplätze bleiben leer, während integrationswillige Menschen warten oder ausgeschlossen werden. Personen, die vom Jobcenter oder von der Ausländerbehörde zur Teilnahme verpflichtet wurden, können dagegen weiterhin teilnehmen - sie bilden damit faktisch die einzige Gruppe, die noch Zugang zu neuen Integrationskursen hat.
Laut Bundesregierung werden im Jahr 2026 insgesamt rund 314.300 potenzielle Teilnehmende erwartet, davon etwa 129.500, die freiwillig teilnehmen möchten und damit vollständig vom Zulassungsstopp betroffen wären. Nur rund 184.800 Personen - also diejenigen mit einer behördlichen Verpflichtung - hätten weiterhin Zugang.
Integration ohne Planungssicherheit zerstört Vertrauen
Für die Träger von Integrationskursen bedeutet die aktuelle Politik einen massiven Vertrauensverlust. Kurse müssen kurzfristig abgesagt werden, Lehrkräfte verlieren ihre Perspektive, über Jahre aufgebaute Strukturen und fachliches Know-how gehen verloren. Eine funktionierende Integrationsinfrastruktur ist vorhanden - sie wird jedoch politisch stillgelegt.
Gleichzeitig entsteht ein Zwei-Klassen-Zugang zur Sprache: Wer es sich leisten kann, zahlt selbst. Wer kein Geld hat, bleibt außen vor.
Sprachverzögerung erhöht soziale Folgekosten
Die Folgen reichen weit über den Kursbereich hinaus: Ohne Sprache keine Erwerbstätigkeit. Das erhöht schon bald die Sozialkosten. Besonders problematisch ist die Situation für Familien: Wenn Eltern kein Deutsch lernen können, wird Übersetzungsarbeit häufig auf Kinder verlagert - mit Rollenverschiebungen, Bildungsnachteilen und familiären Belastungen.
"Wer den Spracherwerb blockiert, verhindert Integration. Und wer Integration verhindert, fördert genau die gesellschaftlichen Probleme, die anschließend politisch beklagt werden. Die Caritas im Norden setzt sich ein für gesellschaftlichen Zusammenhalt und positioniert sich gegen Haushaltsentscheidungen, die dem massiv entgegenwirken. Die sozialen Folgekosten solcher Entscheidungen sind wesentlich höher als die Mittel für die Integrationskurse.", so Caritasdirektor Matthias Timmermann.
Der Zulassungsstopp gefährdet die Arbeitsmarktintegration, die soziale Teilhabe und den langfristigen gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Caritas im Norden fordert die sofortige Rücknahme des Zulassungsstopps und eine verlässliche, planbare, auf gesellschaftlichen Zusammenhalt ausgerichtete Integrationspolitik.
Zentrale Kritikpunkte der Caritas im Norden in Kürze
- Integration wird blockiert: Der Zulassungsstopp bremst nicht nur freiwillige Integration, sondern macht staatlich geförderte Integration organisatorisch unmöglich.
- Integrationsparadox: Der Staat fordert Sprachkompetenz als Voraussetzung für Arbeit und Berufssprachkurse, verhindert aber gleichzeitig den Zugang zu Integrationskursen.
"Der Staat verlangt Sprachkompetenz, verhindert aber gleichzeitig ihren Erwerb." - Planungschaos statt Verlässlichkeit: Fehlende Planungssicherheit zerstört Vertrauen bei Trägern und Zugewanderten.
- Bestehende Infrastruktur wird stillgelegt: Kursräume, Lehrkräfte und bewährte Strukturen sind vorhanden, werden aber politisch blockiert.
- Arbeitsmarktintegration verzögert sich: Ohne Sprache verzögert sich Erwerbstätigkeit - mit erheblichen sozialen Folgekosten auf vielen Ebenen.
- Familien werden zusätzlich belastet: Können Eltern kein Deutsch lernen, übernehmen Kinder Übersetzungsaufgaben - mit Rollenverschiebungen, Bildungsnachteilen und psychosozialen Belastungen.
- Abbau von Integrationsstrukturen: Lehrkräfte verlassen den Bereich, Know-how und Qualität gehen dauerhaft verloren.
- Zwei-Klassen-Zugang zur Sprache: Wer zahlen kann, lernt Deutsch. Wer es nicht kann, bleibt ausgeschlossen - soziale Ungleichheit wird verstärkt.
- Gesellschaftlicher Schaden: Der Zulassungsstopp gefährdet Arbeitsmarktintegration, soziale Teilhabe und den langfristigen gesellschaftlichen Zusammenhalt.